
Tipps aus der Praxis für mehr Freude
am Lesen und Lernen
In meiner Arbeit als Lerntherapeutin begegnet mir immer wieder ein Thema:
Viele Kinder können lesen – aber sie verstehen den Text nicht richtig.
Seit vielen Jahren begleite ich Kinder dabei, genau diese Schwierigkeiten zu überwinden.
Drei Tipps, die wirklich helfen, möchte ich Ihnen vorstellen.
Tipp 1: Gemeinsam über Texte sprechen und die Kinder mitdenken lassen.
- Wählen Sie einen kurzen Text, der Inhalt sollte das Kind im Vorfeld ansprechen. Sie kennen Ihre Schüler und Schülerinnen, wählen Sie ein passendes Thema.
- Lassen Sie das Kind langsam vorlesen. Nicht zu viel Text auf einmal.
- Stellen Sie Fragen: Was glaubst du, passiert als Nächstes? Wie sieht die Person/der Gegenstand/das Tier aus? Warum handelt die Person/das Tier so?
Das Kind wird aktiv und denkt mit. Es fühlt sich ernst genommen.
Tipp 2: Wichtige Wörter markieren
- Bieten Sie kurze Texte mit maximal 10 Sätzen und lassen sie das Kind den Text still lesen
- Anschließend markiert es mit einem Buntstift Wörter, die es wichtig findet.
- Mit Hilfe dieser Wörter darf das Kind nun die Geschichte nacherzählen.
Das Kind stellt fest, dass einzelne Wörter helfen können, sich den Text zu merken
Tipp 3: Selbstgezeichnete Bilder nutzen und Geschichten erfinden
- Lassen Sie das Kind ein Szene zeichnen z.B. ein Hund spielt mit einer Katze, Kinder spielen mit einem Ball, ein Vogel sitzt auf einem Ast und trällert ein Lied
- Im Anschluss erzählt das Kind eine kurze Geschichte dazu
- Loben Sie das Kind. Immer.
Die Fantasie wird angeregt und es wird eine Verbindung zwischen Bild und Text hergestellt.
Motivation ist wichtig!
Wenn Kinder Texte nicht verstehen, verlieren Sie schnell die Freude am Lesen. Deshalb brauchen Sie beim Vorlesen: Ruhe, Aufmerksamkeit und echtes Interesse des Zuhörers.
Der anschließende Austausch ermutigt sie, sich immer öfter an neue, unbekannte Texte heranzuwagen.
Mein Ansatz in der Praxis
Auch in meinen Lesungen für Grundschulen verbinde ich die Elemente Aktivität, Mitdenken, Zuhören und Austausch miteinander. So entsteht eine natürliche Verbindung zwischen Lesen, Lernen, Fantasie, Verstehen und Freude an der Sprache.
Fazit
Wenn Kinder alleine lesen, entwickelt sich nicht automatisch Textverständnis. Sie brauchen: Unterstützung, Zeit, Ruhe und die Möglichkeit, mitzudenken.
Lesen wird so wieder zu einer spannenden Entdeckungsreise.
Bei Rückfragen nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf.
Wie Kinder lesen lernen – und warum die Freude manchmal fehlt
In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, warum viele Kinder Texte zwar lesen,
aber nicht verstehen.
Doch bevor es um das Verstehen geht, stellt sich eine grundsätzliche Frage:
Wie lernen Kinder eigentlich lesen?
Lesen ist ein komplexer Prozess. Lesen bedeutet weit mehr, als Buchstaben zu erkennen. Kinder lernen Schritt für Schritt:
- Buchstaben erkennen
- Laute verbinden
- Wörter bilden
- Sätze lesen und verstehen
Dieser Prozess braucht Zeit, Übung und vor allem Geduld.
Während einige Kinder schnell Fortschritte machen, benötigen andere deutlich mehr Unterstützung.
Wenn Lesen zur Herausforderung wird
Manche Kinder verlieren schon früh die Freude am Lesen.
Das liegt häufig nicht an mangelnder Motivation, sondern daran, dass:
- der Lernprozess noch nicht gefestigt ist
- Inhalte nicht verstanden werden
- Lesen als anstrengend erlebt wird
Genau hier entsteht oft Frust.
Wenn Kinder Freude am Lesen entwickeln sollen, brauchen sie vor allem: Erfolgserlebnisse
Das gelingt zum Beispiel durch:
- gemeinsames Lesen
- Vorlesen
- passende, einfache Texte
- eine entspannte Lernatmosphäre
Wichtig ist:
Lesen sollte sich nicht wie Druck anfühlen.
Die Rolle der Eltern
Eltern können viel dazu beitragen, die Lesefreude zu fördern. Kinder orientieren sich stark an ihrem Umfeld.
Wer selbst liest, Interesse zeigt und Geschichten lebendig macht, weckt Neugier. Und diese ist oft der erste Schritt zur eigenen Lesemotivation.
Fazit
Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo.
Wenn Lesen schwerfällt, braucht es keine Vorwürfe, sondern Unterstützung und Geduld.
Denn:
Lesefreude entsteht nicht durch Druck, sondern durch positive Erfahrungen.
Wenn du merkst, dass dein Kind Unterstützung beim Lesen braucht, begleite ich euch gern.